Wort des Bischofs

Die Diözese Regensburg blickt in diesem Jahr 2007 auf 35 Jahre Studiengang des "Dritten Bildungsweges" für Priesteramtskandidaten zurück, angefangen vom 1972 gegründeten Studienhaus in Schwaz/Tirol bis zum "Collegium Rudolphinum", das 1975 errichtet worden ist. Es ist ein Blick voll Dankbarkeit. Ich danke meinem Vorgänger Bischof Dr. Rudolf Graber, von dem die Gründungsinitiative ausging, dem "Opus Summi Sacerdotis", das über diese Jahrzehnte den "Dritten Bildungsweg" nicht nur finanziell, sondern auch geistlich im Gebet begleitet und getragen hat. Mein Dank gilt aber auch den vielen Ausbildern, besonders den beiden Direktoren Otto Hermanns und Pater Michael Hösl CP, und nicht zuletzt den vielen Priestern, die aus diesem Studiengang hervorgegangen sind und die in Treue und Aufopferungsbereitschaft ihren priesterlichen Dienst in unserer Diözese Regensburg ausgeübt haben und noch ausüben. Vergelt's Gott!

Doch mein Blick geht am Anfang dieses neuen Jahrhunderts auch nach vorne. Große Umbrüche und Herausforderungen stehen vor der katholischen Kirche in Deutschland, auch vor der Kirche von Regensburg. Das Thema der Neuevangelisierung wird zu einem immer brennenderen Thema, dem wir uns im Auftrag Christi stellen müssen. Darum gilt es auch nach neuen Wegen in der Priesterausbildung zu suchen. Dies hat mich bewogen, den Studiengang des "Dritten Bildungsweges" in die Diözese Regensburg, näherhin in die Räumlichkeiten des Priesterseminars "St. Wolfgang" zu holen. Das "Collegium Rudolphinum" kehrt in seine angestammte Heimat zurück. Damit erfüllt sich auch ein lang gehegter Wunsch von Bischof Dr. Rudolf Graber. Ihm zu Ehren soll der errichtete Studiengang des "Dritten Bildungsweges" auch den Namen "Studium Rudolphinum" tragen.


Zu diesem Schritt, das "Studium Rudolphinum" in die Diözese zurückzuholen, haben mich einige wichtige pastorale Überlegungen geführt. Ich halte es für notwendig, dass der Zusammenhalt des Presbyteriums gestärkt wird. Nur in der Einheit untereinander können wir vor den Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte erfolgreich bestehen. Um diesen Zusammenhalt des Presbyteriums von Anfang an zu stärken, möchte ich, dass die Seminaristen der Diözese nicht in zwei getrennten Gruppen in Regensburg und in Heiligenkreuz studieren und leben. Sie sollen vielmehr sich gemeinsam auf ihren priesterlichen Dienst vorbereiten und sich untereinander kennenlernen, so dass sie sich aufeinander verlassen können. Ich sehe es als eine persönliche Bereicherung an, wenn Priesteramtskandidaten - Abiturienten, Spätberufene oder Männer, die schon in vielfältigem Berufsleben gestanden haben - mit ihren unterschiedlichen Berufungswegen miteinander leben und den gemeinsamen Alltag gestalten. Dies ist sowohl für den Einzelnen als auch für die Gemeinschaft des Priesterseminars befruchtend und erweitert die eigenen Horizonte.

Ein weiterer Grund pädagogischer Art hat mich bewogen, einen eigenständigen und speziellen Studiengang für den "Dritten Bildungsweg" am Priesterseminar zu errichten. Ich bin der Meinung, dass dadurch die individuelle Lebensgeschichte dieser Priesteramtskandidaten bei der Vermittlung der Studieninhalte mehr berücksichtigt werden kann. In kleineren Lerngruppen unter der Leitung erfahrener Dozenten ist eine gezielte pädagogische Förderung des Einzelnen besser möglich als dies ein großer Universitätsbetrieb zu leisten vermag. Gerade in einem stärker persönlichen Kontakt zwischen Studierenden und Lehrenden können die Lerninhalte durch diese dialogische Struktur leichter vertieft und verständlicher dargelegt werden, so dass der Priesteramtskandidat am Ende seines Studiums über eine gute und ausgewiesene philosophisch-theologische Kenntnis verfügt. Dies ist die unverzichtbare Voraussetzung, um als priesterlicher Verkündiger der Frohen Botschaft zu den Menschen gesandt zu werden.

Das "Studium Rudolphinum" am Priesterseminar Regensburg ist somit in dieser neuen und reformierten Form neben dem Studienhaus St. Lambert in Burg Lantershofen die einige spezifische Ausbildungsstätte des "Dritten Bildungsweges" zum Priestertum in Deutschland, die Priesterseminar und eigenständigen, speziellen Studiengang zu einer Lebenseinheit verbindet. Darum steht diese Einrichtung wie bisher in Heiligenkreuz auf Anfrage auch anderen Diözesen und Orden grundsätzlich offen.

Ich wünsche dem "Studium Rudolphinum", seinen Dozenten und seinen Studenten Gottes reichen Segen und bitte Sie, dieses Werk zu unterstützen.

Regensburg, den 26. April 2007



Bischof von Regensburg